Hebamme Heidorn - Zentrum für natürliche Geburten - ein guter Ort, um anzukommen
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Veröffentlichungen
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1990
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Eine Geburt im Entbindungshaus wollen die Frauen aus den gleichen Gründen, weswegen sie eine ambulante Entbindung beim Arzt oder eine Hausgeburt wünschen. Sie möchten mit der Hebamme IHRER Wahl das Baby bekommen und von ihr versorgt werden. Meist machen die Hebammen der Entbindungshäuser auch Geburtsvorbereitungskurse, sodaß die Frauen und die Hebamme sich vorher gut kennenlernen können. Die werdenden Mütter schätzen es, von einer ihnen persönlich gut bekannten Person entbunden zu werden. In den Entbindungshäusern kann man die ersten Tage des Wochenbetts verbringen oder auch gleich nach der Geburt nach Hause gehen. Die Nachsorge übernimmt in jedem Fall die bekannte Hebamme. Leider sind die meisten Entbindungshäuser von den Krankenkassen nicht anerkannt, sodaß die Kosten für einen Aufenthalt dort dann nicht übernommen werden. Nur die normalen Entbindungskosten werden erstattet. Man kann aber versuchen, mit der Krankenkasse (vorher!) eine Kostenübernahme auszuhandeln, zumal die Tagessätze in den Entbindungshäusern viel niedriger als in Kliniken sind. Beispiel: Entbindungshaus Gießen-Rödgen Das Entbindungshaus besteht seit circa 6 Jahren und wird von einer Hebamme geleitet. Diese Hebamme wird allerdings immer noch von einer zweiten Hebamme unterstützt. die z.B. während der Urlaubszeit oder falls einmal zwei Geburten parallel laufen, einspringt. Das alte Fachwerkhaus, in dem die Hebamme auch wohnt, hat Atmosphäre und ist urgemütlich eingerichtet. Frau Heidorn, die Inhaberin, gibt Geburtsvorbeitungskurse und bietet den Frauen eine Entbindung in angenehmer Umgebung. Die Entbindungskosten werden über Krankenschein abgerechnet. Im Geburtszimmer steht ein ganz normales Krankenhausbett, das aber nicht benutzt werden muß. Als Alternative bietet sich der Gebärhocker an oder man kann auch in jeder anderen Stellung ohne Hilfsmittel entbinden. Ansonsten ist das Geburtszimmer gut ausgestattet. Die Geburt selbst läßt Frau Heidorn gern ohne irgendwelche Hilfsmittel und Eingriffe vorangehen; heiße Fußbäder und der Einlauf zählen bei ihr schon zu den Eingriffen! Sie ist eine Frau in den mittleren Jahren und hat sehr viel Erfahrung. Die Wochenbettzeit kann man auch im Entbindungshaus verbringen, so lang oder kurz man möchte. Diese Kosten (außerden normalen Nachsorgekosten) werden allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen, sondern müssen privat bezahlt werden. Dafür bekommt aber jede Familie ein eigenes Zimmer, sodaß auch der Partner dort wohnen kann. Doris B., 89 Um 2 Uhr nachts platzte mir die Fruchtblase, aber ich hatte keine Wehen. Um zu wissen, ob sich die Anfahrt nach Gießen überhaupt lohnt, versuchte ich, meine Nachsorgehebamme zu erreichen. Da sie aber nicht zu sprechen war, fuhren wir nach Hanau ins Krankenhaus. Die dort diensthabende Hebamme untersuchte mich und machte ein CTG. Ich hatte kaum Wehen und der Muttermund war erst 1 cm geöffnet. Der anwesende Arzt wollte mich gleich dabehalten und riet mir von einer Fahrt nach Gießen ab. Er klärte mich über die Risiken auf, daß das Kind unterwegs kommen könne und daß die Infektionsgefahr wegen der geplatzten Fruchtblase sehr groß wäre. Wir waren jedoch fest entschlossen, in Gießen im Entbindunghaus unser Kind zu bekommen. Noch vom Krankenhaus riefen wir die Hebamme in Gießen an und sie riet uns, nach Hause zu fahren, zu baden und zu frühstücken und dann zu kommen. Wir fuhren nicht mehr nach Hause, da wir drei Pflegekinder haben, die sich um diese Zeit für die Schule fertigmachten und dieser Hektik wollten wir entgehen. Wir fuhren also auf die Autobahn und frühstückten an einer Raststätte in aller Ruhe (soweit dies in meiner Situation - aus leichter Unsicherheit und fröhlicher Erwartung, und der damit verbundenen Aufregung) überhaupt möglich war. Die Brötchen waren sehr zäh, aber trotzdem wird mir dieses Frühstückserlebnis eine bleibende Erinnerung sein. Gegen 8 Uhr waren wir in Gießen. Bei der Untersuchung zeigte sich keine Veränderung des Muttermundes und auch keine richtigen Wehen. Frau Heidorn riet uns zu einem ausgedehnten Spaziergang, was etliches Erstaunen in mir hervorrief. In diesem Moment verspürte ich Lust auf alles Mögliche, nur nicht hierauf. Aber dem energischen, unbedingt positiven Auftreten von Frau Heidorn und der Unterstützung meines Mannes war es zu verdanken, daß ich mich doch dazu aufmachte. Trotz aller Anstrengungen hielt ich 1 Stunde, mich langsam vorwärts bewegend, immer wieder durch Pausen mit vorsichtigen gymnastischen Übungen unterbrochen, an meinen Mann gelehnt oder gehängt, durch. Ein seltsames Paar, das für den einen oder anderen Vorbeiziehenden einige Verwunderung auslöste, bewegte sich eigenwillig durch die sonnige aber kühle Novemberluft. Bei der folgenden Untersuchung zeigte der Befund eine Öffnung des Muttermundes von mittlerweile 3,5 cm. Erneut, durch die Hebamme animiert, fuhren wir in die nahegelegene Stadt Gießen zum Essen. Mit meinen Wehen beschäftigt hatte ich, in Gießen angekommen, keinen Appetit mehr, während es meinem Mann unvermindert schmeckte. Um 12 Uhr 30 zeigte eine weitere Untersuchung im Entbindungshaus keine nennenswerten Fortschritte. Nach einem heißen Fußbad (als Reaktion auf meine kalten Füße) und einem Einlauf ging die Entwicklung sofort weiter. Ich genoß, zusammen mit meinem Mann, die warme, freundliche Atmosphäre des Entbindungsraumes bei einer guten warmen Tasse Tee. Die Wehen gingen nun gut los und wurden immer heftiger. Am Angenehmsten erlebte ich sie in der Hocke, während ich mich an meinem Mann oder am Bettgestell festhielt. Eine andere Variante des Haltens an einem langen Tuch, das an der Decke über dem Gebärstuhl befestigt war, erschien mir ebenfalls als sehr angenehm. Ich entschloß mich, durch Frau Heidorn bestärkt, mein Kind auf diesem Stuhl zur Welt zu bringen. Am Ende der Eröffnungsphase (8 cm) half Frau Heidorn, durch das Zurückstülpen des Muttermundes über den Kopf des Kindes, nach und ich konnte mit dem Pressen beginnen. Von nun an ging alles sehr schnell. Ich hielt mich noch immer an dem Tuch fest, mein Mann stützte mich von hinten. Frau Heidorn hielt mir einen Spiegel vor, sodaß ich den Kopf meines Kindes schon zwischen meinen Beinen sehen konnte. Nachdem Frau Heidorn die Herztöne mit einem seltsamen, einem 'Walkman' gleichenden, Gerät kontrollierte und noch einige Tips zur Sauerstoffversorgung des Kindes - bzw. meiner Atmung - gab, steckte unser Kind auch schon den Kopf aus mir heraus und quakte, früher als erwartet, kräftig in die Runde, obwohl es noch nicht ganz aus meiner mütterlichen Geborgenheit entlassen war (15.07 Uhr). Endlich stand der Name unseres Kindes fest: Felix. Mittlerweile war auch eine, mit Frau Heidorn befreundete, Kinderkrankenschwester anwesend, die sich - gemeinsam mit meinem Mann - als sehr angenehme Hilfe in der Versorgung unseres Kindes erwies, während Frau Heidorn und der Arzt, der nach der Geburt zur Versorgung meiner zwei kleinen Rißwunden gerufen wurde, ausschließlich mit mir beschäftigt waren. Die darauffolgenden 5 Tage verbrachten wir zu dritt in einem wunderschönen Zimmer im Entbindungshaus. Wir wurden liebevoll umsorgt und ich hatte viel Ruhe und Zeit, mich auf meine neue Situation einzustellen. Barbara C., 85 - 88* - 89 Wir sind zu einem Kindergeburtstag eingeladen, ich bin in der 38. Woche schwanger. Ich fühle mich etwas überanstrengt und lege mich kurz auf das Sofa unserer Freunde. Plötzlich fühle ich ein leichtes Ziehen im Unterleib, ähnlich dem Menstruationsschmerz, und sofort wird mir bewußt, daß sich unser zweites Kind auf den kurzen, aber beschwerlichen Weg nach draußen macht. Es ist 19 Uhr und ich glaube, noch viel Zeit zu haben - behalte meine Erkenntnis zunächst für mich. Das Ziehen wiederholt sich, unregelmäßig alle 10 - 30 Minuten, dauert 30 Sekunden. Weder Intensität noch Häufigkeit steigern sich. Ich erzähle den anderen von der bevorstehenden Geburt, meine aber, daß noch viel Zeit ist - alle freuen sich mit uns. Wo ist meine Sicherheit geblieben? Ich habe gedacht, ich weiß, wie eine Geburt abläuft - schließlich ist es die Zweite - ich werde unruhig - will nach Hause fahren - wir sind um 22.30 Uhr zu Hause. Auf der Haustreppe muß ich die erste starke Wehe beatmen. Mein Mann trägt unsere schlafende Tochter ins Bett. Ich dusche - wieder eine starke Wehe - ich packe meine Tasche - wieder eine Wehe. Ich will mich hinlegen und schlafen, fühle mich müde - wieder eine Wehe. Ständig muß ich zur Toilette, mein Darm entleert sich gründlich. Mein Mann massiert mir die Wehenschmerzen weg. Wie ich ihn brauche!!! Wir alarmieren die Großeltern, sie wollten sich um unsere Tochter kümmern und rufen die Hebamme im Entbindungshaus an, daß wir bald kommen. Ich bin wieder auf der Toilette und blutiger Schleim geht ab - "es zeichnet". Wir rufen wieder die Hebamme an und sollen gleich losfahren. Es ist mittlerweile 23.40 Uhr. Im Auto habe ich 2 - 3 Wehen, muß sie mit lautem Stöhnen veratmen. Um 24 Uhr sind wir im Entbindungshaus. Die Hebamme holt mich vom Auto ab. Ich klettere auf das Entbindungsbett, die Hebamme Dorothee untersucht mich: "Sieben Zentimeter in der Wehe." Ich bin glücklich, schon so weit zu sein. In der nächsten Wehe öffnet Dorothee die Fruchtblase. "Eine richtige Elefantenhaut." Danach sind die Wehen häufig, etwa alle 5 Minuten. Mir kommt jetzt, wie von selbst, ein "Wehengesang" über die Lippen. Am Anfang der Wehe fange ich einen tiefen Singsang an, der sich zum Ende hin immer höher steigert. Es hilft mir wunderbar über die Wehenwellen hinweg, ich kann mitschwingen, mit den Gedanken im Bauch bei meinem Baby. Im Vierfüßlerstand beatme ich jede Wehe, kann in sanftem Rhythmus mein Baby hin- und herschaukeIn. Die erste Preßwehe kommt, der Muttermund ist voll geöffnet, ich kann meiner Preßlust nachgeben und fühle, wie der Kopf des Kindes in die Scheide kommt. Nach der zweiten Preßwehe kann ich das Köpfchen anfassen, es sitzt direkt am Ausgang, die zusammengedrückte Kopfschwarte ist feucht und glibberig, ich habe einen ungeheuren Zerreißschmerz. Mit der nächsten Wehe wird der Kopf geboren, die Schultern entwickeln sich und dann sehe ich den kleinen Po, einen kleinen Penis und den Hodensack. Ich nehme das Baby, daß mir gerade in die Hände geglitten ist, hoch, halte es fest im Arm und setzte mich auf die Fersen. Da ist er: naß, klebrig, voller Käseschmiere, klein, schön, vollständig, wunderbar, schreiend, warm, weich, wundervoll - unser Sohn. Es ist 0.37 Uhr. Nach ein paar Minuten voller Freude und Tränen und unsagbarem Glück, lege ich mich auf den Rücken, der Kleine liegt auf meinem Bauch, mit einer leichten Wehe kommt warm und weich die Nachgeburt. Mein Mann durchtrennt die Nabelschnur, der Kleine liegt da, schaut mit allwissenden klugen Augen um sich. Dann schnappt er meine Brustwarze und trinkt. Es ist jetzt 1.45 Uhr, wir gehen ins Zimmer, unser Sohn liegt wohlig grunzend zwischen uns. An Schlaf ist nicht zu denken. Ich liege da, im Halbdämmer mit meinem neugeborenen Kind im Arm, bin voller Ruhe und Glück. Nachtrag: Unser drittes Kind ist vor kurzem geboren worden - es hat das Licht dieser Welt am selben Ort erblickt. HAUSGEBURT 10 = 3,3% der befragten Frauen hatten eine Hausgeburt. Diese, seit Anfang der 50er Jahre fast ganz aus der Mode gekommene Art der Entbindung, wird heute wieder von mehr Schwangeren gewünscht. Leider gibt es nur noch sehr wenige Hebammen, die bereit sind, zu einer Hausgeburt zu kommen (siehe hierzu auch unter 'Hebammen'). Aber man kann sie finden und mit Ihnen zusammen das Kind zu Hause bekommen. Die meisten Frauenärzte lehnen Hausgeburten von vornherein ab. Sie begründen dies mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind. Meist sind die Ärzte aber selbst kaum in der Geburtshilfe auf dem Laufenden und wagen sich wohl deshalb nicht, ihre Einwilligung zur Hausgeburt zu geben. Ein Großteil der Gynäkologen verfügt heute nicht einmal mehr über einen Notfallkoffer, ist also auch gar nicht für Hausbesuche ausgestattet. Trotzdem kann man immer noch Ärzte finden, die wenigstens zum Nähen eines Dammschnittes oder -risses ins Haus kommen. Am einfachsten findet man diesen Arzt noch unter den Allgemeinmedizinern. Hebammen, die regelmäßig Hausgeburten machen, sind normalerweise auch imstande, ein erhöhtes Risiko zu erkennen und die Frauen deswegen rechtzeitig in ein Krankenhaus einzuweisen. Sie haben eben viel Erfahrung und in den Kliniken sind es ja eigentlich auch die Hebammen, die die Geburt überwachen und die werdenden Mütter betreuen - ein Arzt tritt meist erst in der Preßphase in Erscheinung. Eine Hebamme bei einer Hausgeburt ist nur für diese eine Frau ganz allein zuständigt, sie braucht sich nicht noch um ein paar andere Frauen zu kümmern. Die Betreuung ist also sehr intensiv. Paradox an der ganzen Sache ist, daß es immer wieder heißt, Hebammen dürften zwar einen Dammschnitt durchführen, ihn aber nicht nähen. Das stimmt nicht! - und wäre auch nicht zu begreifen. Laut Bettina Türstig - Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands - gibt es kein Gesetz, das das Nähen eines Dammschnittes oder -risses durch eine Hebamme verbietet. Bei den Hebammenschülerinnen gehört das Nähen sogar zum Unterrichtsstoff. Was das Risiko betrifft, haben andere Länder, wie zum Beispiel Holland - wo die Hausgeburtenrate sehr hoch ist, gezeigt, daß dies nicht erhöht sein muß. Die Mutter-Kind-Sterblichkeit ist nicht höher als in den Kliniken. Das Verantwortungsbewußtsein der Hebammen und auch die gute Erreichbarkeit einer Klinik (meist ist eine solche im Umkreis von 15 - 20 km vorhanden) halten das Risiko für Mutter und Kind auch bei uns ziemlich gering. Die Frauen, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, schätzen die gewohnte Umgebung und Ruhe für IHRE Geburt. Sie können sich bewegen wie sie wollen, baden, essen und trinken und die Geburtsposition frei wählen. Auch können sie die Personen um sich haben, die sie an diesem Erlebnis teilhaben lassen möchten. | ||